Die No-Go-Area auf dem Weg zum neuen Trendviertel?! Nordstadt ist nicht gleich Nordstadt

Es tut sich was! Dortmunds Norden kämpft für ein besseres Image. Nachbarn kommen zusammen, werden zu Freunden und verändern etwas in ihrem Stadtteil.

Samstagabend, die Sonne geht gerade unter. Auf der Terrasse des Grünen Salons herrscht reges Treiben. Jugendliche und junge Erwachse sitzen an Kneipentischen und schlürfen Club Mate. Auf einer kleinen Bühne spielt die Dortmunder Lokalband Äedon. Rockige Sounds hallen über den Nordmarkt.
Was sich nach einem klassischen Samstagabend im Szeneviertel Prenzlauer Berg in Berlin anhört, gibt es auch bei uns um in die Ecke in der Dortmunder Nordstadt. Beispielsweise im Grünen Salon. Die Bar, die gleichzeitig als Café fungiert, öffnet täglich von 12 Uhr mittags bis 1 Uhr nachts geöffnet und ist für viele Jugendliche und junge Erwachsene der perfekte Szene-Treffpunkt im Dortmunder Norden.

Anfang Februar öffnen die Schwestern Milena und Jasna Rethmann erstmals ihre Türen am Dortmunder Nordmarkt. Ihr Anliegen: die Menschen im Norden sollen endlich wieder einen Treffpunkt haben, an dem sie mit Freunden einen Kaffee oder ein Bier trinken können. Nachmittags in Ruhe eine Zeitung lesen und dabei ein Stück hausgemachten Käsekuchen genießen? Oder abends am Stammtisch mit Freunden den Tag ausklingen lassen? Der Grüne Salon macht es möglich. Er lädt ein zum Austausch, Kennenlernen fremder Kulturen und zum gemütlichen beisammen sein.
„Ein Szenetreff ausgerechnet im Norden – bist du dir sicher?“ Eine Frage, die Inhaberin Jasna Rethmann oft gestellt wurde, für sie selbst jedoch nie ein Thema war. „Wir sind mit voller Überzeugung in die Nordstadt gezogen und wollen hier auch nicht mehr weg. Es gibt hier so viele tolle Menschen“, sagt sie. Von Unstimmigkeiten und Streitereien ist in ihrem Café keine Spur.
Doch nicht nur im Ruhrgebiet ist die Nordstadt verschrien, sondern auch in Dortmund selbst. Der oftmals als „Ghetto“ und No-Go-Area bezeichnete Stadtteil wird als asozial, kriminell und gefährlich beschrieben. Rund 60.000 Menschen aus über 130 Kulturen leben in Dortmunds „Problemstadtteil“. Klar, dass da nicht alles rund läuft. Trotzdem sieht der Nordstadtblogger Alexander Völkel auch Chancen und Potenzial.
Denn gerade in den vergangenen Jahren hat sich einiges getan. Viele Künstler haben im Dortmunder Norden mittlerweile ihre Ateliers, viele Vereine und Bürger engagieren sich rund um den Dortmunder Hafen, den Nordmarkt und den Borsigplatz für ein besseres Image. Und auch die Stadt macht mit. Seit Ende 2015 ist das Quartiersmanagement in der Nordstadt aktiv. Viele Projekte sind so ins Leben gerufen worden, wie die Hofflohmärkte oder das Nordstadtdinner. Letzteres ist ein Drei-Gänge-Menü für beliebig viele Teilnehmer. Die Besonderheit liegt darin, dass es nicht an einem Ort stattfindet, sondern über die Nordstadt verteilt ist. Jeder Gang findet an einem anderen Ort, bei anderen Leuten statt. Die Teilnehmer (immer 2er-Teams) bekommen vorher ihre Dinnerroute zugeschickt und erfahren, was sie kochen müssen (Vor-, Haupt- oder Nachspeise). Zum Essen kommen dann zwei weitere Gast-Teams dazu, sodass insgesamt sechs Personen pro Gang zusammen essen. Klingt kompliziert? Ganz einfach: Immer woanders, immer neue Leute, immer was zu Essen!
Vielfältig und spannend, dass ist die Nordstadt allemal und vielleicht bald auch das neue Trendviertel in Dortmund…