Felix Lobrecht – Kenn ick!

Für viele ist ein Konzertbesuch ein Erlebnis, auf das man sich lange freut und an das man sich gerne erinnert. Doch nicht nur die Liveauftritte von Musikern, sondern auch die gesprochene Bühnenkunst ist so beliebt wie schon lange nicht mehr. Die deutsche Comedy-Szene wächst immer weiter. Auch wenn man fast alles online auf den bekannten Videoplattformen sehen kann und sogar die großen TV-Sender immer öfter Live-Auftritte mitschneiden, ist es doch noch einmal ein ganz anderes Erlebnis, vor der Bühne zu stehen und zu seinem Vorbild aufzusehen.

Am Dienstag, den 6.12.2016 war es für mich so weit. Zusammen mit meinem guten Freund Paul besuchte ich den Auftritt eines meiner absoluten Lieblingskomiker. Felix Lobrecht war mit seinem Solo „Kenn ick“ im Dortmunder Domicil. Die Karten waren bereits ein paar Wochen vor dem Auftritt komplett vergriffen. Der Saal war dementsprechend voll. Alle warteten sehnsüchtig auf den großen Felix Lobrecht. Die Freude über sein Erscheinen war groß. Und dann fing er an. In seiner lockeren Art meisterte er den Einstieg nach ganz kurzer Zeit, in der man ihm die Aufregung leicht anmerkte, souverän. In der ersten Stunde stellte er sich und sein Programm vor, fragte scherzweise, ob jemand einen Schluck Korn möchte und schenkte einem begeisterten „Ich“-Rufer ein ganzes Glas ein. Auf Zurufe und verunglückte Lacher, die in interessanten Geräuschen endeten, reagierte er gekonnt mit lockeren Bemerkungen. Auch seine Klassiker durften natürlich nicht fehlen. Mit Geschichten über seinen Kumpel Matze, eine leider unverletzte Kerstin und Neukölln brachte er den Saal zum Beben. Auch seine mehr oder weniger brillanten Wortwitze („Das ist wie das Handy meines Bruders – nicht meins“) und Neologismen (Er erfand den „Polenflaggeneffekt“, welcher das Phänomen beschreibt, wenn man etwas voller Motivation beginnt und ab der Hälfte keine Lust mehr hat. Entstanden ist der Begriff dadurch, dass Felix sein weißes Zimmer rot streichen wollte. Er begann von unten nach oben und hatte ab der Mitte keine Lust mehr.)
Dann war es auch schon Zeit für die 15-minütige Pause, in der die Intelligenzbestien, die sich gleich am Anfang ein schönes großes Weißbier gegönnt hatten, auf die Toilette eilten. Zum Glück saß ich nah am Gang. Pünktlich ging es dann weiter. In der zweiten Hälfte machte er Witze über sich selbst, Nazis, Blamagen, Sozialarbeiter, Tierschutzaktivisten, Zirkuskühe, Ausländer, Lehrer, Studenten und längsschnittsgelähmte Hunde. Kurz: Über alles und Jeden. Außerdem wies er uns darauf hin, dass alle EU-Bürger im Jahre 2012 den Friedensnobelpreis erhalten hatten und wir uns somit alle als Nobelpreisträger fühlen können.

Im Anschluss verkaufte er sein Merchandising und erfüllte Foto- und Autogrammwünsche. Als ich neben ihm stand war ich begeistert wie ein kleines Kind. Und auch mein Kumpel begann zu zittern. Deswegen ist mein Erinnerungsbild mit dem großen Felix Lobrecht leider etwas unscharf.
Es war ein fantastischer Abend, von dem mir noch lange die Lachmuskeln schmerzen werden. Man hat hier wieder perfekt gesehen, dass Lachen verbindet. Wenn zwei Bayern in Dortmund einem Berliner zujubeln, dann ist das Völkerverständigung.
Jetzt kann auch ich sagen: Felix Lobrecht? Kenn ick!

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Robin Leiner