Rezension: Deborah Harkness – Das Buch der Nacht

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Mit „Das Buch der Nacht“ beendet die Amerikanerin Deborah Harkness ihr fulminantes, dreiteiliges Fantasy-Schriftsteller Debüt. Nach „Die Seelen der Nacht“ und „Wo die Nacht beginnt“ führt die lang ersehnte Fortsetzung der „All-Souls“ Trilogie nun alle Handlungsstränge zusammen und hält noch so einige Überraschungen für den Leser bereit.

Deborah Harkness, lebt in Südkalifornien, wo die sie an der University of Southern California Europäische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte lehrt. Bevor sie, eher zufällig, mit dem Schreiben ihres ersten Fantasyromanes begann, veröffentlichte sie zwei wissenschaftliche Publikationen, erwarb mehrere Stipendien und Auszeichnungen und empfiehlt in ihrem, ebenfalls preisgekrönten, Blog guten Wein unter 20 Dollar (goodwineunder20.blogspot.com).

Ein Glückstreffer

Eher zufällig fiel mir vor drei Jahren ein Buch mit dem Titel „Die Seelen der Nacht“ in die Hand. Ein ansprechend gestaltetes Buchcover, mit lila Blumendekor, und eine interessante Synopsis auf der Rückseite versprach mal wieder einen netten Ausflug in die Fantasy-Welt, auch wenn Hexen und Vampire weiß Gott recht ausgelutschte Themen sind. Was ich dann jedoch fand, war ein strahlender Juwel, versteckt und gefunden zwischen einem Morast aus nicht mal drittklassiger, Schema F verfasster Trivialromane.

Ein Hexenfund

Die Geschichte handelt von Dr. Diana Bishop, einer Historikerin und Hexe. Dies verdrängt sie jedoch seit ihrer frühesten Kindheit und widmet sich vollkommen ihrem Lehrauftrag und ihren Forschungen zur Wissenschaftsgeschichte im altehrwürdigen Oxford, eben das genaue Gegenteil von Magie.
Während ihrer Recherche gerät das Manuskript Ashmole 782 in ihre Hände und löst eine wahre Lawine an Ereignissen aus, denn die gesamte magische Welt – Hexen, Vampire und Dämonen – sind hinter diesem magischen Schriftstück her, das das Geheimnis allen Lebens enthalten soll. Diana muss sich ihren magischen Fähigkeiten und ihrer dunklen Vergangenheit stellen. Unterstützt wird sie dabei von Matthew Claimont, Vampir und bekannter Naturwissenschaftler, der im Laufe der Geschichte einen festen Platz in Dianas Leben einnehmen wird. Doch mit ihrer Liebe brechen die beiden mehr als nur eine Regel. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit und Flucht vor der Kongregation reisen die beiden quer durch Raum und Zeit.
Im letzten Band der All Souls Triologie kehren Matthew und Diana, inzwischen schwanger, aus dem elisabethanischen London zurück. Hier wird sie mit neuen Herausforderungen konfrontiert und muss auch bittere Verluste einstecken. Dafür ist jedoch nicht viel Zeit, denn ein Problem jagt das nächste und fordert von der Schwangeren, ihren Freunden und Familie einen kühlen Kopf.

Abendfüllende, anspruchsvolle Fantasy

„Das Buch der Nacht“ besticht durch sein Detailreichtum. Zwar erfindet Harkness das Rad nicht neu, aber die Figuren wirken lebendig und haben auch ihre Makel. Wer auf der Suche nach flachen Storys mit alleskönnenden, kantenlosen Pantoffelhelden ist, der sucht hier definitiv an der falschen Stelle. Figuren sowie Szenerie sind mit viel Liebe und Aufwand realistisch beschrieben. Besonders weibliche Figuren bestechen mit ihrem Charakter und Witz fern jedes stumpfen Dark-Fantasy-Erotik-Verschnittes. Natürlich finden sich auch romantische Episoden, die die Frauenherzen höher schlagen lassen.
Man merkt der Geschichte eindeutig an, dass die Autorin über ein fundiertes Wissen in Europäischer Geschichte und Kultur verfügt. Die Lektüre fordert dann doch hin und wieder den Griff zum Fremdwörterlexikon, Wörterbuch oder dem Abiturwissen Genetik, eben anspruchsvolle, abendfüllende Fantasy-Lektüre.

Fazit

Mit fast 800 Seiten ist das Buch für einen Gelegenheitsleser durchaus abendfüllende Unterhaltung für längere Zeit, aber es lohnt sich. Wer trotz der Flut von 0815-Romanen noch Lust an Fantasy hat oder sich nach längerer Abstinenz wieder davon begeistern lassen will, der hält mit „Das Buch der Nacht“ genau das richtige in der Hand. Es sollten zuvor jedoch die beiden anderen Bände gelesen werden, um die recht komplexe Handlungen nachvollziehen zu können. Wer seit dem letzten Band, die Geschichte nicht mehr präsent hat sollte aufgrund von Verständnisfragen zumindest den zweiten Band zuvor noch einmal lesen.
Die Geschichte scheint geradezu hektisch von einem Punkt zum nächsten zu springen und lässt definitiv keine Langeweile aufkommen. Zudem bietet der Einfallsreichtum der Autorin amüsante Sichtweisen auf weltpolitische Geschehnisse. Nach einem emotionalen Auf und Ab und einem Ende, dass man durchaus als nicht gerade zimperlich bezeichnen kann, bleiben jedoch einige Stränge offen oder nur angerissen. Dies lässt auf Fortsetzungen rund um die große Familie Bishop-Claimont hoffen.
Ein echter Zugewinn für die Fantasy Gemeinde, der für die Zukunft Großes erwarten lässt.

„Das Buch der Nacht“ ist im Blanvalet Verlag erschienen und kostet 19,99 €.