Die bunte Küche der Veganer – Vom Öko-Image in den Mainstream

Teller

Mittlerweile ist es keine große Besonderheit mehr, Vegetarier zu sein. Vor ein paar Jahren, als ich mich dazu entschieden habe, auf Fisch und Fleisch zu verzichten, war das noch relativ exotisch. Gastgeber hatten immer das Bedürfnis, mir doppelte Portionen Salat aufzutischen.

Der absolute Trend geht allerdings aktuell immer mehr zur veganen Ernährung. Ob aus ethischen Gründen wie Massentierhaltung, Angst vor weiteren Fleischskandalen, Unverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz oder Neurodermitis. Oder einfach aus reiner Neugier. Vegane Ernährung entwickelt sich zum Lifestyle.

Gesellschaftliche Konflikte

Eines der Probleme dieser Ernährungsweise liegt im gesellschaftlichen Umgang. Veganer berichten von Vorurteilen und Konflikten mit Fleischessern. Ihr Lebensstil träfe regelmäßig auf Unverständnis und sie müssten sich daher ständig rechtfertigen. Als Veganer werde man oft als „Besserwisser“, „Möchtegern-Weltverbesserer“ oder „Öko“ abgestempelt. Aber sollte die Ernährung nicht jedem selbst überlassen sein? Wieso muss man sich immer wieder rechtfertigen, was man wieso nicht isst oder anders rum? Auch der langjährige Veganer Alexander beteuert:,, Ständig werde ich gefragt, weshalb ich mich nicht „normal“ ernähre. Da frage ich mich: Wer bestimmt denn, was „normal“ bedeutet? Immer wieder muss ich mir dumme Sprüche und flache Witze gefallen lassen. Veganern wird oft nachgesagt, sich über Fleischesser negativ zu äußern. Dies geschieht meiner Erfahrung nach allerdings oft andersherum. Schade, dass man zum Teil auf so großes Unverständnis trifft.“

Gesund oder Gefährlich?-Eine nie endende Diskussion

Laut der Fachzeitschrift „UGB Forum spezial“ ist vegane Ernährung gesund und beugt zahlreichen Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen vor. Dies beweist die EPIC-Oxford-Studie. Attila Hildmann, der aktuell bekannteste Vegan-Koch, versichert in seinen Büchern „Vegan for fit“ und Vegan for youth“ sogar, dass durch diese Art der Ernährung der Alterungsprozess minimiert werden kann und es auch vor anderen Hautkrankheiten schützt. Expertin Antje Gahl von der DGE  (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) warnt jedoch vor Mangelerscheinungen. Nur wer ein umfangreiches Ernährungswissen besitzt, sollte sich vegan ernähren.  Denn sie betont, dass häufig Veganer und Vegetarier an Vitamin B12-, Eisen- und Calciummangel leiden. Außerdem rät sie Schwangeren und Kindern von diese Lebensweise ab.

Der Selbstversuch

Auch ich habe einen Monat lang den veganen Lifestyle ausprobiert und bin von dem Ergebnis begeistert. Durch irreführende Werbung wusste ich nicht mehr: Was darf ich eigentlich noch guten Gewissens essen ohne mir über die Inhaltsstoffe Sorgen zu machen? Nicht zuletzt der Pferdefleischskandal hat gezeigt, dass vielleicht nicht immer das drin ist, was versprochen wird. Ich versuche immer mehr, auf Fertigprodukte zu verzichten und stattdessen selbst zu kochen. So weiß ich, was drin ist.  Es macht Spaß, neue Rezepte auszuprobieren – inzwischen kann ich mehr als bloß Nudeln mit Ketchup.

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Reporterin Miriam Schwede beim Zubereiten eines veganen Gerichts. Foto: Schwede

Nach 30 Tagen veganer Ernährung ist meine Neurodermitis verschwunden, ich habe etwas abgenommen ohne weniger zu essen und ich bin leistungsfähiger geworden. Sowohl beim Sport, als auch in der Uni. Mein Bewusstsein zum Essen hat sich um 180 Grad gewendet. Gleichzeitig ist mein Fazit, dass eine durchgehend vegane Ernährung sehr schwierig ist. Gerade in kleinen Städten ist das Angebot an veganen Gerichten sehr rar. Oder was ist, wenn Omi mal extra für dich einen leckeren Käsekuchen gebacken hat? Ich für meinen Teil esse ihn. Meiner Meinung nach geht es ja auch nicht unbedingt darum, penibel darauf zu achten, vegan zu essen. Einen Tag in der Woche reicht aus, um etwas für sich und gleichzeitig für die Umwelt zu tun. Also man muss kein „Öko“ sein, um sich ab und zu vegan zu ernähren. Außerdem: Essen sollte Spaß machen und nicht die Gesellschaft in zwei Lager teilen.