Plattenkritik – Donots „Karacho“

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Foto: Meinhardt

Sie sind zurück. Und wie. Mit ihrem neuen Album „Karacho“ wagen die Donots ihre erste deutschsprachige Platte. Ein Album voller Energie, Wut und Gitarrengewitter.

Der Opener „Ich mach nicht mehr mit“ klingt im ersten Moment wie der Beginn des vorletzten Albums „The Long Way Home“.Doch nach zwanzig Sekunden wird klar: Das hier ist deutscher Punk-Rock in Reinkultur.
Von den Soundexperimenten der letzten beiden Alben haben sich die Donots verabschiedet. Kein Tubasolo („Dead Man Walking“) oder Panflöten („Wake The Dogs“) mehr. Stattdessen gibt es fette Gitarrenteppiche und wütende Parolen.

So richtet sich „Dann ohne mich“ gegen die aktuellen Demonstrationen der rechten PEGIDA-Bewegung. Musikalisch beinahe tanzbar, textlich aber ein Appell an die Vernunft.
Der Song „Junger Mann zum Mitleiden gesucht“ geht in die Metal-Richtung mit einem spannenden Riff und Shouting-Mittelteil.
Auch „Du darfst niemals glücklich sein“ ist eine schnelle, mitreißende Rock-Nummer, bei dem der Fuß verdächtig Richtung Moshpit zuckt.

„Karoche“ lässt kaum Luft zum Atmen und bietet nur ab und zu Momente der Entspannung. Zum Beispiel „Weiter“, das wie das Lied eines Trampers in der nordamerikanischen Pampa anmutet. Ansonsten geht es ziemlich ab im Hause Donots.

Komm, wir feiern auf Rezept
Und wenn wir scheitern, dann perfekt
Und die Getränke sind heut‘ frei
Das Ende der Welt ist längst vorbei

 

Donots, Das Ende der Welt ist längst vorbei.

Erst gegen Ende wird es etwas ruhiger. In dem Stück „Immer noch“ geht es um eine verflossene Liebe. Den Abschluss macht das Lied „Hansaring, 2:10 Uhr“ – eine Hommage auf lange Nächte im studentische Szeneviertel Münsters.

Insgesamt klingt „Karacho“ nicht wie das Werk einer Gruppe Männer am Ende ihrer Dreißiger. Musikalisch geht es an die Grundlagen des Garagen-Rocks – ohne Schnörkel. Dazu formuliert Frontmann Ingo in seinen Texten die trotzigen Ausrufe eines jugendlichen Punks.

„Der Kopf bleibt oben und das Herz bleibt an
Das Haupt bleibt erhoben, der Schädel dran.“

 

Donots, Kopf bleibt oben

Wie authentisch das ist, muss letztlich jeder für sich entscheiden.

Mit „Karacho“ ist den Donots ein beeindruckendes Album gelungen. Fans der Donots werden es sowieso kaufen. Aber auch alle anderen, die sich für gute, hausgemachte Gitarrenmusik aus der Ecke Punk interessieren, sollten in die Platte reinhören.

von Stefan Meinhardt