Dafür/Dagegen – Karneval

titelbild Karneval

In unserer Rubrik Dafür/Dagegen argumentieren unsere Reporter gegeneinander. Mal humorvoll, mal kritisch. Es gibt nur eine Regel: ein Thema, zwei Standpunkte.

Dafür

von Lara Schürmann

Ganz viele Bonbons! – Das war das erste, das ich früher dachte, wenn Rosenmontag vor der Tür stand. Es war einfach toll mit Taschen voller Süßigkeiten nach Hause zu gehen. So viele, wie man, für die paar Pfennig Taschengeld, niemals an der Bude hätte kaufen können.

Und dazu die schönen Kostüme! Das selbstgenähte Kleid von Mama, mit dem man endlich zur richtigen Prinzessin wurde. Und man durfte sich schminken – bzw. wurde geschminkt – wie die Großen. Aber man konnte sich auch für einen Tag in sein Lieblingstier verwandeln und von Jahr zu Jahr in den aktuellen Traumberuf schlüpfen. Ob Feuerwehrmann, Astronaut oder Cowboy – alles war möglich!

Heute sind mir die Bonbons nicht mehr wichtig, weil die meisten gar nicht schmecken und weil einem so ein Bonbon-Hagel, wenn man ohne schützende Eltern unterwegs ist, erhebliche Schmerzen zufügen kann. Deswegen tausche ich die Bonbons einfach gegen ein paar Bier. Dann gefällt einem die Musik, die einem früher überhaupt nicht aufgefallen ist, auch schon viel besser.

Aber das Verkleiden ist immer noch mit der größte Spaßfaktor! Einmal wieder Kind sein und als was-auch-immer durch die Straßen laufen, ohne für verrückt gehalten zu werden. Normale Partys gibt es schließlich immer. Da ist es doch eine schöne Abwechselung mal mit einem Vampir oder mit Superman in einer Bar zu flirten oder die nette Bekanntschaft von Schneewichten zu machen.
Und vor allem: Einfach mit seinen Freunden Spaß haben, denn der Spaß ist schließlich das, was im Vordergrund steht! Hellau, Alaaf, wie auch immer!

Dagegen

von Stefan Meinhardt

Ja okay, ich bin ein Langweiler. Zufrieden?

Ich empfinde keine Welle der Euphorie, wenn die Zeit der Jecken unaufhaltbar näher rückt. Welchen TV-Sender ich auch einschalte, überall schunkeln mir aufgedrehte Mittvierziger entgegen, die grölend versuchen, ihre Midlife Crisis mit billigem Schnapps die Kehle herunter zu spülen. Am nächsten Tag sitzen sie dann verkatert hinter ihrem Schalter beim Einwohnermeldeamt und händigen mir mit versteinerter Mine meinen neuen Personalausweis aus. Mit neuer Krawatte versteht sich. Die alte ist ja an Weiberfastnacht draufgegangen. Jetzt hat der Spaß wieder für ein Jahr Pause.

Auch ich kann mich über gelungene Verkleidungen freuen. Im letzten Jahr sah ich in Köln (bei einer Exkursion in die Karnevalshochburg) zwei junge Herren, die sich als Achterbahnsitze verkleidet hatten – durchaus kreativ! Auch die Energie, die in die Gestaltung der Festwagen geflossen ist, verdient Respekt.

Dennoch geht mir die Vorstellung, mit hunderten Betrunkenen in einem Zug ins Rheinland verfrachtet zu werden, ziemlich ab. Trinken kann ich auch in der Kneipe um die Ecke. Ohne beim Versandhändler Dutzende von Euro für eine Augenklappe, eine schiefen Hut und einen Plastikpapagei zu lassen.