Blutrache – Die Geschichte eines Flüchtlings

Symbolfoto: Meißner
Foto: Meißner (Symbolbild)

Mit gerade mal 18 Jahren sitzt mir Abaz gegenüber und beginnt zu erzählen. Doch seine Geschichte ist viel älter, als sich einer von uns erinnern kann. Es ist die Geschichte von Schuld und Sühne.

Abaz ist Kosovo-Albaner. Ungefähr 1,70m groß, mit feinen Gesichtszügen und hellbraunen Haaren. Mehrfach gewann er nationale und internationale Schachmeisterschaften, er ging zur Schule und danach zum Judo. Schon mit 14 Jahren begann er Verantwortung in dem Familienbetrieb zu übernehmen und leitete mit 16, das Lokal seines Vaters.

Rückkehr in eine zerstörte Stadt

Ich verbringe meine freie Zeit mit Essen, Arbeit oder dem sagenumwogenden Internet. Ehrlich gesagt ist nichts davon außergewöhnlich oder bewundernswert. Das Leben von Abaz sah ganz anders aus. Gefährlicher. Während des Kosovokrieges 1998/1999 flüchteten Abaz, seine vier Schwestern und seine Eltern vor Mord und Totschlag und lebten acht Monate in Deutschland.

Bei ihrer Rückkehr war alles anders. Das Leid auf den Straßen war noch immer groß. In ihrem Haus, 40 km von der Hauptstadt Priština entfernt, lebten sie zwischenzeitlich mit zehn Familien zusammen. Doch gerade diese Not schuf eine eng verbundene Einheit. Zusammen gingen die Männer auf die Straße, kauften Lebensmittel auf dem Schwarzmarkt und mussten dabei um ihr Leben fürchten. Der Krieg hinterließ verstörte Seelen, die an dem Tod vieler Freunde und Nachbarn zerbrochen waren.

„Beschmutzung der Ehre“

Der Krieg und das Misstrauen der Menschen in den Rechtsstaat hatte zur Folge, dass viele Albaner sich von den demokratischen Spielregeln abwandten und stattdessen Traditionen wiederbelebten, die ihre Gemeinschaften seit jeher prägen und steuern.

„Kanun i Lekë Dukagjinit“ bedeutet auf deutsch „Regel und Norm“ und klärt zivilrechtliche sowie strafrechtliche Fragen. Abaz erklärt mir die grundlegenden Regeln. “Wenn du den Sohn einer anderen Familie tötest, treffen sich die Männern und entscheiden über deine Bestrafung.“ Laut „Recht und Ordnung“ dürfte die Familie des Opfers im Austausch den Mörder, oder ein stellvertretendes Familienmitglied töten.

Abaz hat niemandem das Leben genommen. Aber nach „Regel und Norm“, beschmutzte er die Ehre seines Onkels in dessen Haus und ihm war klar, dass diese Tat den sicheren Tod bedeuten würde. Was genau er getan hat, das traut er sich im Gespräch nicht zu sagen. Aber er war sich sicher, dass es in Deutschland keine rechtlichen Folgen hätte und weitestgehend toleriert wird.

Flucht vor dem Todesurteil

So begann Abaz neue Geschichte. Er flüchtete aus seiner Heimatstadt, kam eine Nacht bei einem Freund unter. Der Freund hatte dann aber selbst zu viel Angst vor der Bestrafung, dass er Abaz nicht mehr helfen konnte. Sein Vater rief ihn an und sprach eine Verbannung aus. Die Schande, die Abaz über seine Familie gebracht habe, sei zu groß, um verziehen zu werden. „Die Männer“ hatten getagt und seinem Onkel das Recht auf Mord zugesprochen.

Eine Woche lebte er auf der Straße, bevor sein Vater ihn erneut anrief und ihm ein letztes Zugeständnis machte. Er würde einen Schlepper nach Deutschland organisieren, wolle danach aber nie wieder etwas von ihm hören.

Nach dem albanischen Recht, hätte Abaz Onkel an seiner statt, die Rache an einem anderen männlichen Familienmitglied verüben dürfen. Da der Schutz der Frauen aber über der Rache steht und Abaz Vater nun der einzige Mann in der Familie war, wurde von dieser Art der Blutrache abgesehen.

Schleusung nach Dortmund – eingepfercht im Kofferraum

Zwei Tage später stieg Abaz in ein Auto, das ihn eingepfercht in den hinteren Teil des Wagens, nach Serbien brachte. Dort wurde er an andere Schlepper übergeben und zu einem schwarzen Kleinbus mit getönten Scheiben gebracht. Im finsteren Kofferraum saß er zusammen mit gesichtslosen Anderen drei Tage ohne Orientierung und Nahrung.

Doch Abaz bekam davon nichts mit. Seine Gefühle seien wie eingefroren gewesen, taub. Beschrieb er mir während unseres Interviews.

In der dritten Nacht wurde er in Dortmund herausgelassen. Der einzige unter den Flüchtlingen ohne Ziel, ohne Menschen die ihn in Empfang nahmen. Er schlief an einer Bahnhaltestelle ein bis er im Morgengraue erwachte und begann, durch den Stadtteil zu irren. Viele Male wurde er von den Menschen, die er bei seiner Suche nach einer Polizeistation traf, abgelehnt und ignoriert.

Bis ein großer, bärtiger Student ihm etwas zu Essen gab und ihn auf seinem Semesterticket bis zur Flüchtlingsstelle in Dortmund Hacheney brachte. Bis heute wünscht sich Abaz er wüsste den Namen des Mannes, um ihm jetzt, ein Jahr später das sagen zu können, wozu er damals nicht im Stande gewesen war. Danke.

Abaz Ziel: Das Abitur

Heute sieht sein Leben anders aus. Am Tag unseres Treffens kam er gerade vom Friseur, hübsch gemacht für den ersten Tag der elften Klasse. Dass Abaz ein wirklich intelligenter Junge ist, hat er auch in Deutschland schon unter Beweis gestellt. Neben den regulären Deutschsprachkursen, besuchte er am Abend noch den Unterricht der Erwachsenen. Während andere 18-Jährige, bei einem Bier zusammensitzen oder die Simpsons schauen, saß er mit türkischen Ärzten, kroatischen Architektinnen oder libanesischen Handwerkern zusammen und paukte die deutsche Sprache.

Sein Ziel ist es, Abitur zu machen und die Chancen darauf stehen gut. Doch wie es danach weiter gehen kann, das weiß keiner. Asyl in Deutschland wird er nicht bekommen, denn diese Art des Aufenthaltes ist politischen Flüchtlingen vorbehalten. Doch mit nur einer Duldung werden Arbeitssuche oder gar Studium schwierig.

Nach Hause zu gehen, bleibt für ihn ein unerfüllbarer, aber niemals endender Traum und seine Perspektivlosigkeit lastet schwer auf ihm. Doch gerade bemüht er sich positiv zu denken. Ein Schritt nach dem Anderen und erst einmal freue er sich auf das kommende Schuljahr.

Erektion, und auch der orgasmus ist so um ein effektives mittel zur verbesserung. Osterreichpillen.com mannergesundheitszentrum berlin kummern wir uns um die versorgung mit essen und trinken bei der einnahme.