Praktikum zwischen Elefanten, Fufu und Heiratsanträgen

Foto: Lauenroth
Foto: Lauenroth

Was ist Fufu? Wie werde ich von den ghanaischen Menschen behandelt? Werde ich während meiner Reise auch Elefanten sehen können? Drei von vielen Fragen, die mir in der Zeit vor dem sechswöchigen Praktikum durch den Kopf gingen.

Schon während der Schulzeit hatte ich geplant, dass ich, wenn sie die Chance bietet während meines Studiums ein Praktikum oder Semester im Ausland zu verbringen, sie nutzen werde. Was natürlich damals schon hieß, dafür zu sparen. Ende letzten Jahres kam die Idee dann wieder in mir auf und ich entschied mich spontan über eine Agentur zu bewerben. Doch wo soll es hingehen? Ich wollte schon immer einmal nach Afrika. Die Landschaft sehen, Tier beobachten und die kulinarische Vielfalt kennenlernen. Denn auch wenn man es mir nicht ansieht. Ich esse verdammt gerne.

Über den Autor
Tobias hat von 2011 bis 2014 Journalismus und Moderation an der WAM-Medienakademie studiert.

Über eine deutsche Agentur habe ich dann mehrere Länder angeboten bekommen, in denen sie mit Medienunternehmen zusammen arbeiten. Darunter war auch Ghana. Das kleine demokratische Land an der Küste Westafrikas, mit englischer Amtssprache und ungefähr 100 verschiedenen Landessprachen, hat mich sofort fasziniert. Das besondere daran. Wenig Tourismus im Vergleich zu Südafrika oder anderen westlich geprägten Ländern.

„Da kann ich noch unter afrikanischen Bedingungen leben und arbeiten.“, dachte ich mir und beschloss meine Bewerbungen für Agenturen und Sender in Ghana freigeben zu lassen. Für mich war es sehr wichtig, meinen Lebensstil, den ich aus Deutschland gewohnt war, einmal zu vergessen und etwas neues ausprobiere. Ich wollte mehr kennenlernen. Eine ganz andere Kultur, mit ganz anderen Menschen und ganz anderen Lebensweisen. Sechs Wochen so leben wie sie. Und das tat ich auch.

Mit 27 Personen unter einem Dach

Ich wohnte in Accra. Die Hauptstadt von Ghana. Ungefähr zwei Millionen Einwohner und von der Fläche so groß wie Fehmarn. Am Montag, der Tag meiner Ankunft, wurde ich von einer ghanaischen Betreuerin, die für die deutsche Agentur arbeitet, abgeholt und zu meinem Haus gebracht. Ich lebte anfangs mit zehn anderen Praktikanten und Volunteers, die die verschiedensten Projekte in Ghana unterstützten, unter einem Dach. Zum Schluss wurde es dann schon voller und unser Haus, das meiner Meinung nach nur für maximal 15 Personen geeignet war, hatte stolze 27 Personen zu beherbergen.

Privatsphäre hatte man also nicht. Für die Zeit in Ghana bekamen wir alle einen Betreuer zu Seite gestellt. Nana. Sein voller Name ist Nana Agukeum Payin, aber das kann eh niemand aussprechen. Seine täglichen Aufgaben bestanden darin uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es mal Probleme im Haus oder bei der Arbeit gibt oder wenn jemand krank wurde.

 

Mit den Händen zu essen ist gar nicht so einfach. Foto: Lauenroth
Mit den Händen zu essen ist gar nicht so einfach. Foto: Lauenroth

Mittwoch ging es für mich zum ersten Mal zur Arbeit. Nana begleitete mich und zeigte mir meinen Weg zur Arbeit, für den ich täglich anderthalb Stunden brauchte. Am ersten Tag sollte ich direkt dem Chef des Senders „GhOne TV Entertainment“ vorgestellt werden. 10.30 Uhr war das Treffen im Sender und ich sollte zum ersten von vielen Malen mitbekommen, dass man sich in Ghana nicht unbedingt um Pünktlichkeit sorgt.

Zwei Stunden meines ersten Arbeitstages verbrachte ich mit Warten auf Mr. Hammond. Als der feine Herr dann endlich eintraf und unser Meeting beginnen konnte, bedankte ich mich für die Wartezeit, indem ich vergaß mein Handy abzuschalten und das wegen einer SMS laut anfing los zu piepen. Mein erster Arbeitstag hätte nicht schlimmer anfangen können. Nach dem Gespräch wurde ich dann im Sender herum geführt und allen Mitarbeitern vorgestellt. Danach besprachen wir noch kurz meine Arbeitszeiten, täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr, und mein erster Tag beim ghanaischen Fernsehen war vorbei. Sehr produktiv!

„Oburoni TobiTobi“

Die Folgetage meiner ersten Arbeitswoche gestalteten sich ähnlich. Ich bekam einen Schreibtisch, den ich mir mit einer Kollegin teilen musste und wurde vor das Internet verfrachtet. Da ich der allererste Praktikant überhaupt in dem Haus war, wussten die Mitarbeiter nicht so richtig, was sie mit mir anfangen sollten. Also rannte ich den ganzen Tag durch den Sender, fragte mich durch und bot überall meine Hilfe an. Und schon nach nicht einmal drei Tagen Arbeit mochten alle den „Oburoni TobiTobi“. Jeder wollte ein Foto mit mir und dass ich bei ihm mit arbeite. Von einigen weiblichen Kolleginnen bekam ich sogar Heiratsanträge und wurde gefragt, ob ich sie mit nach Deutschland nehmen könne. Die Männer hingegen wollten alle meine Brüder sein. Nach sechs Wochen Ghana hat sich meine Familiengröße also vervierfacht.

Ghana-Praktikant Tobias im TV-Studio. Foto: Lauenroth
Ghana-Praktikant Tobias im TV-Studio. Foto: Lauenroth

Nach meinen ersten Tagen ohne richtige Arbeit, fühlte ich mich dennoch nicht richtig ausgelastet und verabredete mich wieder mit meinem Chef zu einem Gespräch. Es war für mich mit Abstand das unangenehmste Gespräch, dass ich jemals mit einem Vorgesetzten führen musste. Denn nach nur drei Tagen seinem Chef sagen zu müssen, dass man mehr Arbeit fordert, weil man dafür ein Haufen Geld bezahlt hat und andernfalls ein anderes Unternehmen sucht, war nicht unbedingt etwas, das ich mir antun wollte. Hat aber geholfen.

Einen Tag später wurde ich „Fifi“ vorgestellt. Der Produzent vom Sportmagazin „The Game“ des Senders. Fortan durfte ich die sportlichen News aus der ganzen Welt zu den Sportarten Fußball, Leichtathletik und Basketball schreiben, die Abends in der Sendung behandelt wurden. Daneben durfte ich an der Planung und dem Dreh eines neues Sendeformates mitwirken und reiste jede Woche mit zu Dreharbeiten im ganzen Land. Lange Arbeitstage aber jeden Tag auf das Neue spannend. Überall war man weniger vom Filmteam fasziniert, sondern vom weißen Mann, der assistierte.

Meine Wochenenden verbrachte ich damit, durch das Land zu reisen. Vom Besuch einer Sklavenburg aus englischer Kolonialzeit über eine Nachtwanderung durch den Regenwald, in der wir uns zweimal verliefen, bis hin zu Safaris im Nationalpark mit Elefanten, Antilopen und Büffeln. Alles in allem war das die aufregendste Zeit meines Lebens. Jeder Cent, den ich dafür aufbringen musste, war es wert. Diese Erfahrung kann ich nur jedem empfehlen. Eine Zeit, die man niemals vergessen wird!

Ach, Fufu ist übrigens ein klebriger Brei aus Kochbananen und Yam, eine kartoffelartige Wurzel. Man isst es gewöhnlich mit einer sehr scharfen Nusssuppe und Ziegenfleisch. „Oburoni“ ist schlicht und einfach der Name, den man als Europäer bekommt. Er bedeutet „weißer Mann“.

von Tobias Lauenroth